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29. September 2009

Der Tag danach

Es ist eine lange Nacht geworden und meine Gefühle sind im wahrsten Sinne des Wortes Achterbahn gefahren. Erste Prognose: 12,5% - riesige Freude. Da musste Brandenburg einfach dazu beigetragen haben. Also gute Chancen, mehr als die 26,6% der letzten Wahl erreicht zu haben, die seinerzeit ein sechstes Bundestagsmandat nur knapp (ca. 470 Stimmen) verfehlen ließen. Dann die ersten Hochrechnungen, auch aus dem Land Brandenburg – rund 28% der Zweitstimmen und vor SPD und CDU. Natürlich noch größere Freude. Achtundzwanzig Prozent würden satt reichen für `meinen´ Platz 6. Dann die ersten Auszählungsergebnisse aus den Wahlkreisen. Zunächst Kopf-an-Kopf auch in unserem Wahlkreis, Fürstenberg, Leegebruch, Liebenwalde und Amt Gransee mit Platz 1 für mich, nur knapper Rückstand in Oranienburg, später natürlich auch die S-Bahn-Gemeinden und das Osthavelland, wo der Rückstand dann doch wieder erheblicher wurde. Aber es würden insgesamt keine 20% Prozent Abstand werden, wie bei der letzten Wahl. Und immer noch 28% landesweit bei den Zweitstimmen, aber auch die ersten Hochrechnungen aus anderen Wahlkreisen und die große Überraschung: Führung der LINKEN oder knappes Kopf-an-Kopf-Rennen in 6 Wahlkreisen. Gegen Mitternacht dann die Gewissheit: Wir waren einfach zu gut. 4 gewonnene Wahlkreise haben das Superwahlergebnis der LINKEN von landesweit über 28 Prozent abgerundet und den anderen Parteien, vor allem aber der siegverwöhnten SPD eine deutliche Niederlage eingebracht. Aber sie bedeuteten auch für mich, es nicht geschafft zu haben, da eine der Wahlkreis-Siegerinnen in der Landesliste hinter mir gelegen hatte und nun aufgrund des überraschend gewonnenen Direktmandats an mir vorbeizog. So eng liegen wie so oft im Leben Freud und `Leid´ beeinander.

Mein Freund brauchte am Ende mehr Trost, als ich selbst, der ich ja von Anfang an immer auch davon ausgegangen war, dass mein Listenplatz zwar ein chancenreicher, aber eben auch kein sicherer war. Und dieser Realismus war gut so, denn er ließ meine vielen Unterstützerinnen und Unterstützer und mich sowohl engagiert kämpfen als auch die Möglichkeit des `Scheiterns´ dabei nicht ausblenden.

Sicher bin ich traurig darüber, nun nicht die politische Auseinandersetzung in der `ersten Reihe´ mitführen und vor allem AKL im Bundestag an ihre vielen Wahlversprechen unmittelbar erinnern zu können. Viel ärgerlicher ist allerdings, dass es bundesweit für Schwarz-Gelb gereicht hat. Gut ist, dass die Nazis aus den Parlamenten ferngehalten werden konnten. Ich hoffe, es führt nicht zum Nachlassen in der Auseinandersetzung mit ihnen. Und gut ist unser Wahlergebnis auch trotz meines Nichteinzugs in den Bundestag und trotz Schwarz-Gelb, denn es wird die Politik in diesem Land verändern. Es eröffnet die Chance für eine Resozialdemokratisierung der SPD in der Opposition – und dann wird sie sich entweder von Leuten wie AKL trennen müssen, für die sozialdemokratische Werte bisher immer wieder nur Lippenbekenntnisse waren, oder aber in einen Öffnungsprozess gegenüber der LINKEN eintreten müssen, denn mehr soziale Gerechtigkeit, mehr direkte Demokratie, längeres gemeinsames Lernen, Chancengleichheit für alle Kinder, Rentenangleichung Ost-West oder den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan werden wir nur miteinander erkämpfen können oder gar nicht. Diese Herausforderung bleibt. Und an diesem Punkt werde ich weiter kämpfen und mich für die Interessen der ca. 40.000 Wählerinnen und Wähler einsetzen, die der LINKEN und mir im Wahlkreis ihre Stimme und damit ihr Vertrauen geschenkt haben. Ihnen gilt mein herzlicher Dank dafür. Ich bin fest entschlossen, Sie nicht zu enttäuschen.

 

27. September 2009

Stellen wir uns das doch einfach mal vor …

Also ich war bisher kein Fan von Stefan Raab und seinen verschiedensten Entertain-Sendungen. Das gestehe ich ganz offen. Ihr Unterhaltungswert schien mir oft sehr grenzwertig, obwohl sie in vielen Fällen der Gesellschaft – und auch der Politik – erbarmungslos den Spiegel vorgehalten haben.

Das hat sich mit dem gestrigen Abend und der Wahl-total-Sendung nicht so wesentlich geändert. Auch wenn ich am Ende mit offenem Mund da saß und einigermaßen erstaunt zur Kenntnis nehmen durfte, dass DIE LINKE zumindest unter dem Publikum des Privatsenders mit der Sieben im Titel die Chance hätte, bundesweit zweitstärkste politische Kraft zu werden und in Brandenburg gar haushoch gewinnen zu können, trotz Platzeck oder vielleicht sogar wegen ihm.

Aber stellen Sie sich, stellen wir uns das mal für einen kurzen Moment als real vor: DIE LINKE würde bundesweit zweitstärkste Kraft und in Brandenburg mit einem Vorsprung von über 20% vor den anderen die stärkste Partei. In Brandenburg könnte die Bezeichung Rot-Grün eine völlig neue Bedeutung bekommen, denn den Raab-Zahlen nach könnte die LINKE hier sogar mit den Grünen zusammen eine Koalition eingehen – die inhaltlichen Übereinstimmungen in der Bildungs- und Umweltpolitik sowie in der Frage der Schaffung von Arbeitsplätzen wären so elementar, dass – vorausgesetzt die Grünen würden tatsächlich ihr Programm umsetzen wollen – eine Vereinbarung über eine gemeinsame Regierung eine Frage von wenigen Tagen sein dürfte. Und bundesweit? Es würde nach dem Votum von Stefan Raabs Sendung weder für Schwarz-gelb noch für eine Koalition aus CDUCSUSPD reichen. Und dann? Dann müssten sich die anderen erheblich bewegen. Und dann käme ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn vielleicht noch in diesem Jahr. Und noch im ersten Jahr der neuen Wahlperiode die Rentenangleichung Ost-West, weil ich den Wahlumfragen festgestellt worden wäre, dass gerade unter Seniorinnen und Senioren DIE LINKE überproportional gewählt worden sei. Und der Truppenabzug aus Afghanistan wäre tatsächlich bis 2013 abgeschlossen und im Land am Hindukusch aufgrund einer neuen außenpolitischen Schwerpunktsetzung, hin zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen ohne Gewaltanwendung und der vereinbarten Abzugsperspektive der Bundeswehr, Frieden. Und es gäbe sofort zum Beginn des Jahres 2010 ein drittes Konjunkturpaket, diesmal vor allem für kleine und mittlere Unternehmen. Und endlich auch eine Steuerreform, die diesen Namen verdiente, mit einer Börsenumsatzsteuer und einer Millionärsabgabe oder Reichenabgabe – auf den Namen käme es in dem Fall nicht an – und wenigstens einer 4%igen Erhöhung des Spitzensteuersatzes bei gleichzeitiger Erhöhung des Steuerfreibetrages. Und zum 1. Januar 2010 würde eine solidarische Bürgerversicherung eingeführt und die umfangreiche Liste der Zuzahlungen im Gesundheitswesen abgeschafft. Und alle Kinder könnten elternbeitragsfrei in eine Kita gehen und die Länder würden in Verhandlungen um längeres gemeinsames Lernen und die Verabredung von gemeinsamen Bildungs- und Abschlusstandards an Schulen treten. Und … und … und. Und das alles nur, um DIE LINKE zu entzaubern. Eine schöne Vision. Meinen Sie nicht? Sie haben es in der Hand. Gehen Sie zur Wahl. Wählen Sie DIE LINKE. Und nehmen Sie dazu gleich noch mindestens 10 Nachbarn, Freunde oder Bekannte mit, die bisher noch nicht wählen gehen wollten. Damit es gerechter wird in unserem Land. Und damit Sie noch einmal denselben Spaß haben können, wie gestern Abend bei Stefan Raab. Denn die langen Gesichter von Herrn Güllner und der orange gekleideten Herrschaften hinter ihm sowie das Stöhnen der SPD-AnhängerInnen bei jedem Landes-Wahlergebnis würden sich auf Frau Merkel und Herrn Müntefering übertragen. Auch das wäre ein lustiges Bild und ein witziger Abend.

 

 

24. September 2009

Meine Oma hat geschrieben, dass sie kommt

fröhlich sein und singen

Das war der Renner: „Meine Oma hat geschrieben, dass sie kommt“ hatte ich ewig nicht mehr gesungen. Und nun sollte ich es nochmal und nochmal und nochmal (mit)singen, weil es so viel Spaß gemacht hatte.

Am Mittwoch stand noch einmal ein Besuch in einer Kita auf dem Plan meiner Wahlkampfeinsätze. Gemeinsam mit unserer Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Kerstin Kaiser, und unserer Landtagsabgeordneten Gerrit Große hatten wir uns dafür in einer Oranienburger Kita angemeldet. Wir wollten noch einmal gemeinsam `testen´, welche Auswirkungen unsere Vorschläge zur Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kindertagesstätten haben würden. Bereits im August hatten wir uns ja in einem freiwilligen Praktikum kundig darüber gemacht, wie die gegenwärtig gültigen Regelungen des Kita-Gesetzes und seiner Verordnungen wirken.

Erst mal wurde miteinander gesungen. Ich hatte extra meine Geige mitgenommen und das Lied von der Oma, die im Trabant – „ruckeldizuck“ – auf Besucht kommen würde, war genau richtig. Auf dem Foto kann man gut sehen, wie alle eifrig bei der Sache sind – hipphopp, ruckeldiezuck, gluckgluck, oooooh, hurraaaa.

Auf dem Foto kann man übrigens auch sehr gut erkennen, dass der `gesetzliche´ Betreuungsschlüssel von 1:13 im Altersbereich 3 bis 6 Jahre ein frommer Wunsch unserer regierungsamtlichen Gesundbeter der aktuellen Situation im Lande ist. Allein auf dem Foto sind 16 Kinder zu sehen und tatsächlich waren noch 12 weitere im Raum. Dies sei vor allem für all diejenigen gesagt, die der LINKEN immer wieder – wider besseres Wissen – Schwarzmalerei unterstellen, wenn wir über unsere Erfahrungen mit dem realen Leben berichten.

Danach wollten natürlich alle mal selbst probieren, wie sich so eine Geige anfühlt und spielt und wie man ihr Töne und Melodien entlocken kann. Wer die leuchtenden Augen der Kinder in diesem Moment gesehen hat, kann nachvollziehen, warum es so wichtig ist, ihnen eine sorgenfreie und chancengleiche Entwicklung zu ermöglichen, unabhängig von sozialer Herkunft und Geldbeutel der Eltern.

Schließlich noch ein gemeinsames Tänzchen und schwuppdiewupp war eine Stunde herum. Hinterher wusste ich, was ich `gemacht´ hatte und war froh, als die reguläre Erzieherin die Gruppe wieder übernahm. Und ich habe gemerkt: Selbst wenn die Gruppe – wie bei der LINKEN vorgesehen – nur 10 Kinder haben würde, wäre die Herausforderung riesig, noch dazu, wenn Integrationskinder dabei sind, wie in dieser Kita. Also fühlten wir uns noch stärker als bisher schon motiviert, uns so schnell wie möglich für eine spürbare Absenkung des Betreuungsschlüssels einzusetzen.

Meine Oma würde das im Übrigen genauso sehen.

 

 

22. September 2009

Plötzlich ist alles ganz leicht

Plötzlich scheint alles, was die ganze Legislaturperiode über unmöglich oder unannehmbar war, ganz leicht zu sein. Da verkündet die Kanzlerin ganz überraschend, das Rentensystem in der nächsten Wahlperiode vereinheitlichen zu wollen. In der Debatte zu den 17 Anträgen der LINKEN meinte sie noch, dass die Rentenangleichung so kompliziert wäre, dass sie in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sei. Nun, da ihre Umfragewerte stagnieren und sie gegen ihren Herausforderer an Boden zu verlieren scheint, sind plötzlich alle Probleme vergessen. Die Wahrheit kann sie natürlich nicht sagen: Das einzige Problem bestand seinerzeit darin, dass die Anträge zur Rentenangleichung und zur Überführung von Anwartschaften aus dem DDR-Rentensystem in das gesamtdeutsche Rentensystem von der LINKEN kamen.

Die neuerliche Wortmeldung der Kanzlerin erinnerte mich übrigens an die Auftritte der (noch)Wahlkreisinhaberin unseres Wahlkreises, Angelika Krüger-Leißner, zur Rentenproblematik in Podiums-Diskussionen der SeniorInnenorganisationen. Auch AKL erklärte ganz energisch entschlossen, dass die Rentenangleichung in der nächsten Wahlperiode käme, das sei schließlich in der SPD beschlossen – und, das kennen wir ja: Was die Partei beschlossen hat, wird sein. Wie die Probleme neuen Unrechts für Rentner aus den westdeutschen Bundesländern, die auch AKL selbstverständlich im Zusammenhang mit den Anträgen der LINKEN aus der zu ende gehenden Wahlperiode gesehen hat, nun plötzlich so schnell aus der Welt zu schaffen sein würden, hat sie wohlweislich für sich behalten. Wahrscheinlich wird sie es nicht wissen. Aber die Hoffnung soll ja bekanntlich zuletzt sterben, und an diesem Tod will AKL auf keinen Fall schuld sein. Also ist alles plötzlich ganz leicht.

Ähnliches trifft für den Kanzlerkandidaten der SPD, Frank-Walter Steinmeier, im Zusammenhang mit dem Abzug der Bundeswehrtruppen aus Afghanistan zu. Noch Anfang des Monats kam ein Abzug der Truppen überhaupt nicht in Frage. Die Probleme! Und man dürfe doch nicht kopflos das Land verlassen. DIE LINKE., die sich im Bundestag dem Afghanistaneinsatz immer konsequent entgegengestellt hat – u.a. weil er eben nicht auf einem UN-Sicherheitsratsbeschluss basiert, wie AKL der Öffentlichkeit immer einreden will; einen solchen Beschluss gibt es nur für die Hauptstadt Kabul, alles andere ist NATO-Beschluss – wurde für ihre Abzugsforderungen ständig `verhauen´ wie ein Vaterlandsverräter. Seit dem 13. September ist für FWS – wie er immer liebevoll auf den putzigen Pappschildern der Jusos genannt wird, wenn die SPD ihren Wahlkampf inszeniert – plötzlich scheinbar alles ganz leicht: über „Zielmarken“ zum Wiederaufbau Afghanistans sind bis zur nächsten Bundestagswahl die Voraussetzungen für den Truppenabzug zu schaffen. Der afghanische Präsident Karsai solle dazu „stärker als bisher“ gegen Korruption, Misswirtschaft und Drogenanbau vorgehen. (Ist er das in den 8 Jahren, seitdem die internationalen Truppen im Land sind, etwa nicht? Und die Truppen haben dazu tatenlos zugesehen? Dann waren und sind sie ja tatsächlich überflüssig.) Und schließlich solle dazu die Ausbildung der afghanischen Polizei und Armee beschleunigt werden. (Was hat denn bitte diesbezüglich in den vergangenen 8 Jahren stattgefunden? *grübel*) Na bitte, wer sagt´s denn? Alles ganz leicht (und AKL – so verkündete sie ganz energisch am 19.9. auf dem Oranienburger Schlossplatz – will sogar schon im Dezember bei der nächsten Abstimmung zur Mandatsverlängerung des Bundeswehreinsatzes ganz mutig darüber nachdenken, über diesen „Kriegseinsatz“ ganz anders abzustimmen als bisher. Völker hört die Signale! *lol*). Als DIE LINKE bei der Begründung ihrer Ablehnung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan solche Vorschläge gemacht hat, waren das natürlich noch Hirngespinste und Luftschlösser.

Es sind die guten Umfragewerte für DIE LINKE., die offensichtlich für Panik in den Wahlkampfzentralen der sogenannten Volksparteien sorgen und die populistischen Versprechen nur so vom Himmel regnen lassen, die ja sonst selbstverständlich nur zur Wahlkampf-Praxis der LINKEN gehören. Ich kann zu all dem nur sagen: Wer will, dass Rentenangleichung und Bundeswehrabzug tatsächlich stattfinden, sollte am 27.9. unbedingt DIE LINKE wählen. Denn nur dann werden CDU und SPD bei ihren jetzigen Versprechungen bleiben (müssen). DIE LINKE setzt jetzt bereits die Themen: gesetzlicher flächendeckender Mindestlohn, Reichen(Millionärs-)steuer, Börsenumsatzsteuer, Rentenangleichung, Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Sie ist auch die Garantie dafür, dass diese Themen auf der Tagesordnung bleiben und im Sinne der Mehrheit der Menschen in unserem Land gelöst werden.

 

21. September 2009

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Am Wochenende war Weltkindertag. Pünktlich dazu war in einer Tageszeitung von heute zu lesen, dass der Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Havelland II/Oberhavel, Frau Angelika Krüger-Leißner, jedes Kind am Herzen liegt. Das ist schön zu wissen und das erwarte ich auch von einer Politikerin, noch dazu mit einem pädagogischen Berufshintergrund.

Allerdings muss die Frage erlaubt sein: Warum hat sie dann erst mit dazu beigetragen, dass Kinder in eine Situation kommen, in der sie Hilfsprogramme benötigen, deren positive Wirkung dann bejubelt werden. Und ist sich AKL auch darüber im Klaren, dass bei aller positiven Wirkung des „Aktionsplans für gleiche Lebenschancen“ die Kinder Bittsteller an ein System bleiben, in dem eigentlich kein Kind arm sein müsste?

Tatsache ist: Frau Krüger-Leißner ist mitverantwortlich für Hartz-IV. Dieses Gesetz hat maßgeblich mit dazu beigetragen, dass Kinder Zusatzleistungen des Sozialrechts, die vor Hartz-IV selbstverständlich waren, inzwischen verwehrt werden und von einem unauskömmlichen Regelsatz leben müssen. Frau Krüger-Leißner ist mitverantwortlich dafür, dass bisher alle parlamentarischen Initiativen im Bundestag zur Erhöhung des Regelsatzes für Kinder gescheitert sind. Frau Krüger-Leißner trägt Mitverantwortung dafür, dass es in Deutschland ca. 3 Mio Kinder gibt, die auf Armutsniveau leben müssen, davon allein fast 5.000 im Landkreis Oberhavel und fast 4.300 im Landkreis Havelland, weil ihre Eltern z.B. aufgrund von Hungerlöhnen in `normalen´ Beschäftigungsverhältnissen, denen ein gesetzlicher Mindestlohn verweigert wird, oder durch Beschäftigung im Niedriglohnsektor ein zu niedriges Einkommen haben.

Angesichts derartiger Tatsachen müsste Frau Krüger-Leißner eigentlich vor Scham verstummen und ihre frühere Haltung kritisch befragen. Wenn diejenige, die für Kinderarmut wesentliche Mitverantwortung trägt – immerhin war und ist sie die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales und damit nicht irgendeine Hinterbänklerin – wenn sich also so eine Abgeordnete zur Lobpreiserin der Hilfsprogramme gegen die von ihr mitverursachte Kinderarmut macht, dann wird der Bock zum Gärtner und Politik verliert jegliche Glaubwürdigkeit.

DIE LINKE fordert eine Kindergrundsicherung von mindestens 420 EUR pro Monat. Darüber hinaus fordert sie einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, der es Eltern ermöglicht, auch den Lebensunterhalt ihrer Kinder menschenwürdig und aus eigener Kraft sichern zu können. Und es waren Initiatven der LINKEN vor Ort (z.B. „Kommt was in die Tüte“ in Oranienburg) und ihre Anträge in den Kommunalparlamenten, die letzten Endes zu dem o.g. Bundesprogramm geführt haben, weil die Kommunen die dringend notwendigen Sonderzahlungen zum Schulstart nicht auf Dauer finanzieren konnten.

 

15. September 2009

„Sie haben schon die richtigen Ideen.“ – mit Kerstin Kaiser auf Tour durch das Osthavelland

alle spielen

Nach den Wahlen beklagen Parteien oft, dass es ihnen nicht richtig gelungen sei, den Wählerinnen und Wählern ihre Konzepte zu vermitteln. Manchmal kann es tatsächlich an der Vermittlung liegen. Aber möglicherweise liegt es öfter an den Konzepten, die einfach nicht die richtigen waren, weil die Menschen schlicht und ergreifend andere Probleme hatten.

Auch für die LINKE ist es wichtig, diese Erkenntnis zu beachten. Das mittelprächtige Wahlergebnis zur Landtagswahl in Sachsen ist mir da eine Warnung. Deshalb haben wir – Andrea Johlige, die LINKE Direktkandidatin des Falkenseer Wahlkreises für die Landtagswahl, und ich – die Spitzenkandidatin der LINKEN für die Landtagswahl 2009, Kerstin Kaiser, eingeladen, mit uns gemeinsam durch das Osthavelland zu fahren und verschiedene Einrichtungen sowie UnternehmerInnen und Gewerbetreibende zu besuchen, mit ihnen zu sprechen, noch einmal ihre aktuellen Probleme, Sorgen und Vorschläge in Erfahrung zu bringen und diese mit den Vorschlägen und politischen Konzepten der LINKEN abzugleichen. Neben einer Kita und verschiedenen Geschäften in der Falkenseer Innenstadt standen die Gemeindebibliothek Dallgow-Döberitz und ein großer Sport- und Wellnessanbieter in Seeburg auf dem Programm.

Nach den Arbeits-Praktika in verschiedenen Kitas überraschten uns die dortigen Probleme und Forderungen an die Politik nicht. Auch die völlige Übereinstimmung mit unseren Vorschlägen zur Absenkung des Betreuungsschlüssels auf 1:6 im Krippenbereich (ein/e Erzieher/in bildet und betreut 6 Kinder) und bis zum Ende der Wahlperiode schrittweise auf 1:10 im Altersbereich 3 bis 6 Jahre war nicht verwunderlich. Immerhin hat DIE LINKE die streikenden Kita-ErzieherInnen und –Eltern aktiv unterstützt und sich bereits während der Streik-Zeit für die Umsetzung dieser Forderungen stark gemacht. Dieser konsequenten politischen Haltung ist es sicher mit zu verdanken, dass auch die SPD inzwischen die Notwendigkeit erkannt hat, wenigstens im Krippenbereich eine Absenkung des Betreuungsschlüssels auf 1:6 anzukündigen.

Sehr viel überraschender war die große Übereinstimmung mit HändlerInnen und Gewerbetreibenden in der Falkenseer Innenstadt. Unsere Vorschläge zur Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe wurden dabei sehr zustimmend diskutiert. Es könne nicht sein, dass öffentliche Ausstattungsaufträge an Unternehmen aus anderen Bundesländern gingen, nur weil sie das billigste Angebot gemacht hätten, das im Regelfall keinen Service enthalte. Und die Einheimischen dürften dann die Nach- und Ausbesserungen übernehmen und den Pfusch beseitigen, so ein Elektrofachhändler, der auf dem Gebiet Reparatur und Service von Elektronikausstattung mit Falkenseer Schulen zusammenarbeitet. Auch die schrittweise Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes wurde einhellig begrüßt. Damit würde ein solcher Lohn für alle gelten und niemand hätte mehr einen unlauteren Wettbewerbsvorteil aufgrund von Lohndumping. „Sie haben schon die richtigen Ideen, und die sind mir sympathisch.“ fasste eine weitere Gewerbetreibende das Gesprächsergebnis zusammen.

In der Dallgower Gemeindebibliothek ging es selbstverständlich um Lesen und Bücher, aber auch um Betriebskosten und Personalausstattung. Trotz konstant hoher LeserInnenzahlen und einem Buch- und Medienbestand, der den einzigen Raum der Bibliothek aus allen Näthen platzen lässt, gibt es nur wenig Licht am Ende des Tunnels, was neue Räume oder eine feste Stelle für die Einrichtung anbelangt. Zwar würde über das Programm „Kommunal-Kombi“ demnächst eine feste Stelle eingerichtet und damit eine hundertprozentige Qualitätsverbesserung erreicht. Aber angesichts der Rahmenbedingungen sei dies gleichzeitig nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ein größerer öffentlich geförderter Beschäftigungssektor u.a. zugunsten des Kultur- und Jugendbereichs eher heute als morgen nötig. Der Vorschlag, hier mit 15.000 Stellen in der nächsten Wahlperiode zu beginnen, wurde lebhaft begrüßt. <st1:PersonName w:st="on">Andrea Johlige</st1:PersonName> übergab schließlich an die Bibliothek eine Spende in Höhe von 100 EUR zur Verbesserung der Grundlagen für eine Arbeit, die bisher ausschließlich ehrenamtlich geleistet wird und sicherte weitere aktive Unterstützung zu, unabhängig vom Ausgang der Wahlen.

Einen richtigen Arbeitsauftrag bekamen wir dann noch in Seeburg vom dortigen Geschäftsführer einer großen Sport- und Wellnesseinrichtung. Jahrelange Bemühungen, durch mehr Außenanlage die sportlichen Betätigungsmöglichkeiten zu verbessern, scheiterten bisher am Grundstücks- und Immobilienmanagement der Bundeshauptstadt Berlin, der eine Reihe der Grundstücke auf Brandenburger Gebiet gehören. Und da DIE LINKE eine der beiden Regierungsparteien von Berlin ist, war der Arbeitsauftrag folgerichtig.

Fazit: Aktives Zuhören könnte ein Grund dafür sein, dass wir uns mit einer ganzen Reihe von Vorschlägen und Konzepten in Übereinstimmung zumindest mit einem nicht unwesentlichen Teil der davon Betroffenen befinden. Jetzt gilt es, diese Vorschläge und Konzepte weiter mehrheitsfähig zu machen. Noch stehen dafür 13 Tage bis zur Wahl zur Verfügung.

 

14. September 2009

Schräges Duett

Die Medien wollten, dass es ein Duell wird – die `Elefantenrunde´ zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Am Tag danach schrieben sie, dass es lediglich ein Duett geworden sei. Aber selbst für ein Duett war es völlig schräg. Zwar versuchten sich die beiden SpitzenkandidatInnen mehr oder weniger erfolgreich darin, ihre jeweiligen Strophen sauber und ohne Versprecher runterzusingen. Dabei offenbarten sie so viele Übereinstimmungen und Wiederholungen, dass man sich als Zuschauer schon fragen musste, warum die beiden nicht weiter miteinander `singen´ (sprich: regieren) wollen und vor allem: Warum sie beim bisherigen gemeinsamen Miteinander nicht mehr erreicht haben. Aber von einem tatsächlichen „cantare“ (was so viel bedeutet, wie `miteinander wetteifern der Stimmen´), das ein Duett prägt, waren die beiden SolistInnen weit entfernt.

Viele Menschen, mit denen ich heute über das Fernsehduell gesprochen habe, bedauerten die Zeitverschwendung, die sie sich mit dem Ansehen angetan hätten. Für einen tatsächlichen Erkenntniszugewinn waren die Angebote der beiden KandidatInnen auch viel zu dünn. Aber ein Gutes hatte die große Öffentlichkeit des TV-Duells doch: Alle konnten sich davon überzeugen, dass es mit diesen beiden KandidatInnen und ihren Parteien auf keinen Fall eine andere Politik in Deutschland gibt. Es wird `weiter so´ gehen, zugunsten der Reichen, der Krisengewinner und Arbeitsplatzvernichter. Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn wird nur mit einer starken LINKEN eine Chance haben, ebenso wie gleiche Bildungschancen für alle Kinder, zusätzliche Arbeitsplätze durch einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor, ein Konjunkturpaket für den Mittelstand, eine konsequente Klimapolitik oder ein umgehender Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Dies alles kommt zwar punktuell auf den Redezetteln von Merkel und Steinmeier mehr oder weniger vor, aber nie an gleicher Stelle, sozusagen im Duett. Und damit hätte es in einer kommenden Wahlperiode wieder keine Chance. Andere – LINKE – Mehrheiten sind dafür notwendig, in Brandenburg wie in der Bundesrepublik insgesamt.

 

 

6. September 2009

Ein Regenbogen über Potsdam

Übergabe des Spendenschecks an Gabriele Kerntopf von der LKS

Was für ein Bild: Pünktlich 19 Uhr gab der bekannte Berliner Comedian Thomas Herrmanns den `Startschuss´ und über 300 regenbogenbunte Luftballons stiegen zum Himmel auf. Sie kündeten vom Start der diesjährigen LesBiSchwulen Tour "Queer feld ein - anders ankommen in Brandenburg". Es ist inzwischen die 10. derartige Landestour und wieder führt sie durch 6 Städte, diesmal im Nordwesten Brandenburgs, und natürlich auf diesem Weg auch durch zahlreiche kleinere Gemeinden und Dörfer. Der LesBiSchwule Landesverband AndersARTiG e.V. will damit gemeinsam mit seinen KooperationspartnerInnen, allen voran dem LesBiSchwulen Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen abbauen und einen Beitrag gegen Diskriminierung und für Akzeptanz leisten. Immerhin ist ein Verfassungsauftrag umzusetzen, denn Brandenburg ist eines der (noch) wenigen Bundesländer, dass eine Antidiskriminierungsklausel in seiner Landesverfassung hat.

Es war eine einzigartig schöne Eröffnungsveranstaltung. Ein bisschen durchaus mit Olympischen Spielen oder der letzten Leichtathletikweltmeisterschaft vergleichbar, nur eben eine Nummer kleiner. DIE LINKE. hat - wie bereits schon in den vergangenen Jahren - mit einer Spende zum Gelingen der Tour beigetragen. 500 Euro stellte der Förderverein der Bundestagsfraktion zur Verfügung, die ich im Namen der Fraktion an die Leiterin der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange im Land Brandenburg, Gabriele Kerntopf, übergeben durfte. Darüber hinaus gab es sehr ermutigende Grußworte: vom Staatssekretär des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Familie, Herrn Alber, und vor allem von der Ersten Beigeordneten der Landeshauptstadt Potsdam, Frau Elona Müller.

Wenn Engel reisen, gibt es schönes Wetter. Entgegen des Wetterberichts hatte Potsdam strahlenden Sonnenschein. Das mit dem Wetter hat also schon mal geklappt. Bei so vielen engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern muss die Tour einfach ein voller Erfolg werden.

 

6. September 2009

Die Roten hängen

Nun haben wir der Flut der Plakate auch noch unsere hinzugefügt. Auch die (original) Roten hängen nun in Falkensee. Eigentlich ein einziges Geld-zum-Fenster-herauswerfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass so gut wie niemand seine Wahlentscheidung aufgrund eines Plakates trifft. Aber nicht `dabei´ zu sein, führt gleich zu einer Riesenaufregung: Tretet ihr denn gar nicht zu den Wahlen an? Wo sind denn eure Plakate? Habt ihr den Wahlkampf verschlafen? Irgendwie scheinen die ganzen beklebten Pappen und nicht recyclebaren Easy-Plates dazu beizutragen, einen Hype zu erzeugen und die Stimmung im Vorfeld der Wahlen anzuheizen. Insofern kann `Abstinenz´ ins Auge gehen - möglicherweise haben wir dafür im vorigen Jahr die Quittung bekommen, als wir so gut wie keine Plakate in Falkensee aufgehängt haben und dann mit knapp 14 % auf den vierten Platz in der Parteienliga, noch hinter den Grünen, zurückfielen. Das soll uns in diesem Jahr nicht wieder passieren, wobei die Basis dafür eher in noch engagierterer und verlässlicher politischer Arbeit für die Einwohnerinnen und Einwohner liegen dürfte, als in schrillen oder überdimensionierten Wahlplakaten.

Der Plakatedschungel ist wahrlich keine Zierde für das Stadtbild. Ob durch die rotstichigen Plastik-Hochglanz-Plakate der SPD oder die blassen der CDU, die allen "Kraft" sugerieren wollen. Und möglicherweise sind auch die unsrigen nicht der Ästhetik letzter Schluss. Aber eine ungeheure Geldverschwendung ist die Plakateflut allemal. Nicht zuletzt deswegen haben wir als LINKE bereits bei der letzten Kommunalwahl den Vorschlag gemacht, diese Flut auf das allernotwendigste zu reduzieren und an verschiedenen zentralen Plätzen der Stadt Informationstafeln zur Wahl aufzustellen, auf denen die Parteien dann ein Plakat aufhängt. Selbst der Gedanke, nach dem letzten Wahlergebnis zu differenzieren und der stärksten Fraktion zwei Plakate zuzubilligen, wäre noch eher akzeptabel, als dieses wilde Bepflastern der Straßen. Leider hat dieser Vorschlag, wie so viele - aus meiner Sicht vernüftige - Vorschläge der LINKEN, keine Mehrheit gefunden. Die SPD hatte ihre Wahlplakate schon bestellt ...

 

1. September 2009

Nie wieder Krieg!

gemeinsam mit Bürgermeisterkandidat Frank Eichelmann und den LandtagskandidatInnen Gerrit Große und Torsten Krause bei der Friedensdemo in Oranienburg (v.l.n.r.)

Auf dem Weg zur ersten Wahlkampfaktion in aller Herrgottsfrühe die Nachrichten: In zahlreichen Städten Brandenburgs würde heute des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges gedacht. Des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs! Als ob das einfach so passiert wäre, wie der Ausbruch eines Vulkans, und nicht von Menschen vom Zaun gebrochen wäre. Nichts darüber, dass dieser bisher schlimmste aller Weltenbrände durch Deutschlands Überfall auf Polen ausgelöst worden sei. Nichts davon, dass die Eroberungsgier der Nazis und ihr Wahn, die Welt beherrschen zu wollen, Ursache für diesen Krieg gewesen sind. Nichts darüber, dass zahlreiche deutsche Unternehmen, wie Krupp, IG Farben, Deutsche Bank oder Thyssen bestens an diesem Krieg verdient und seine Verursacher aktiv unterstützt haben.

Es ist diese verräterische Sprache, die die Lügen in die Welt setzt, mit denen Kriege beginnen oder salonfähig gemacht werden. Auf dass sich die Menschen an Kriege gewöhnen mögen. Beim ersten Weltkrieg war es Attentat eines serbischen Nationalisten, das die Raubgier Deutschlands, Österreich-Ungarns, aber auch der Entente-Mächte verschleiern sollte, die eigentlich den Kriegsgrund bildete. Für den Zweiten Weltkrieg musste ein inszenierter Überfall auf den Radiosender Gleiwitz für den Kriegsausbruch herhalten. Im Krieg der NATO gegen Afghanistan war es die Lüge davon, dass das Attentat vom 11. September von Afghanistan seinen Ausgang genommen hätte. Obwohl alle wussten, dass die Attentäter aus Saudi-Arabien kamen, in den USA oder Deutschland ihre Flugausbildung und aus diesen Ländern Geld erhalten hatten. Und es ist die Lüge von den deutschen Interessen am Hindukusch, die jetzt den Einsatz der Bundeswehr begründen soll. Lügen über Lügen, um den Geist der Leute zu verwirren und von den eigentlichen politischen und Profit-Interessen abzulenken, die hinter Krieg und Militäreinsatz stecken.

Deshalb sagt die LINKE: Schluss mit den Lügen! Nie wieder Krieg! Bundeswehr raus aus Afghanistan.

Alle Welt weiß: Der Krieg in Afghanistan ist mit Militär und militärischer Gewalt nicht zu gewinnen. Die herrschende Politik in Deutschland ignoriert das tapfer. Jetzt wurden durch die Presse sogar Pläne bekannt, die Bundeswehr-Truppen im Land am Hindukusch nach den Wahlen fast zu verdoppeln. Diese Absichten müssen mit einem guten Wahlergebnis für die LINKE am 27.9. durchkreuzt werden. Nur bei einer starken LINKEN werden die anderen Parteien ihre Politik kritisch hinterfragen und möglicherweise ändern. Damit nie wieder Krieg möglich wird.

Übrigens: „Was für ein Tag ist heute?“ Die Blicke, die ich heute früh in Hohen Neuendorf vor dem Bahnhof bei unserer Flugblatt-Aktion „Nie wieder Krieg!“ geerntet habe, waren nicht nur ziemlich verschlafen, sondern auch verwundert. Weltfriedenstag? So etwas gibt es? Noch nie gehört. Oder doch? Ach ja, da war ja mal was. Richtig. Der Zweite Weltkrieg und der Überfall Deutschlands auf Polen. Es bleibt also die berechtigte Hoffnung, dass die Lügen doch nicht allmächtig sind.

 

 

31. August 2009

Auf ein Neues

Da sind die 6 Wochen Sommerferien tatsächlich schon wieder um, man mag es kaum glauben wollen. Aber spätestens heute früh am Bahnhof, als ich meine ehemalige Lehrer-Kollegin mit ihrer Klasse auf dem Weg zur Klassenfahrt traf, war es unwiderlegbare Realität. Das Schuljahr hat uns wieder.

Deshalb erst einmal allen Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und Lehrkräften – meinen Kolleginnen und Kollegen – alles Gute zum neuen Schuljahr, allen einen perfekten Start und viel Erfolg sowie gute Noten. Ich hoffe ganz sehr, dass das neue Schuljahr besser anfängt als das alte endete und der umfangreiche Unterrichtsausfall der Vergangenheit angehört. Der Bildungsminister ist ja die letzten Tag und bis heute in die Morgennachrichten hinein nicht müde geworden, immer wieder zu verkünden, wie gut Brandenburgs Schulen nun auf das neue Schuljahr vorbereitet seien. Und das extra neue Lehrer eingestellt worden wären, um Unterrichtsausfälle zu vermeiden. Sein Wort in Gottes Gehörgang und mal sehen, wie lange die Versprechungen halten.

Vorstellen kann ich es mir nicht so richtig, dass tatsächlich der Unterrichtsausfall aus dem Schulalltag verbannt sein soll. Dazu hätte es so vieler Neueinstellungen bedurft, wie es gar nicht arbeitslose LehrerInnen gibt. Darüber hinaus hätte die Landesregierung ihr sogenanntes Schulressourcenkonzept – ein Plan für die Entwicklung von Personal im Schulwesen (u.a. Neueinstellungen, Entlassungen, Ausbildung, Fortbildung usw.) – außer Kraft setzen müssen. Dieser Plan sorgt ja immer noch dafür, dass jedes Schuljahr mindestens 400 Lehrerstellen automatisch gestrichen werden, ohne dass der Landtag vorher gefragt werden muss. Ein äußerst undemokratischer Vorgang, dessen Abschaffung die LINKE seit Jahren fordert.

Aber auch weitere Verbesserungsmaßnahmen wären zum neuen Schuljahr dringend notwendig. So sind unsere Schulklassen nach wie vor viel zu groß. Keine Schulklasse sollte mehr als 24 Schülerinnen bzw. Schüler haben, sagt DIE LINKE deshalb. Mindestens 500 neue Lehrkräfte müssten pro Schuljahr eingestellt werden, um die Ausfälle durch in-Rente-gehen oder aus-anderen-Gründen-aus-dem-Schuldienst-ausscheiden von Lehrerinnen und Lehrern auszugleichen. Ein Rechtsanspruch auf individuelle Förderung aller Kinder müsste in die Landesverfassung, damit persönliche Fördermaßnahmen nicht vom Finanzminister aus Kostengründen gestrichen werden können. Und wir brauchen einen Einstieg in ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder. DIE LINKE will deshalb die Grundschulen als Schulform für alle Kinder weiterentwickeln und ihre Kooperation mit den weiterführenden Schulen im Schulgesetz neu und verbindlich regeln, damit später einmal eine Gemeinschaftsschule, wie sie in Finnland – dem großen Vorbild-Bildungsland für Ministerpräsidenten Platzeck – die Regelschule ist, auch in Brandenburg Einzug halten kann. Schließlich muss die Schülerbeförderung endlich frei von Elternbeiträgen werden, denn das Geld für den Bus ist für Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Dörfern wie ein Schulgeld, das ihre Eltern bezahlen müssen, damit ihre Kinder in die Schule gehen `müssen´.

Mit all diesen Maßnahmen könnte das nächste Schuljahr ein voller Erfolg werden. Ob es dazu kommt, entscheiden natürlich die Wählerinnen und Wähler am 27. September. Die Vorschläge der LINKEN für eine bessere Bildung liegen auf dem Tisch.

 

30. August 2009

Eine gerechtere Politik ist möglich

Das war schon ein sehr aufregender Tag: Landtagswahlen in drei Bundesländern, dazu Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. Ein Stimmungstest für die Bundestagswahl in wenigen Wochen sollten sie sein.

Also habe ich natürlich feste die Daumen gedrückt. Für eine hohe Wahlbeteiligung in allen Ländern. Dafür, dass die Nazis in Sachsen wieder aus dem Landtag fliegen und in Thüringen und im Saarland gar nicht erst reinkommen. Und selbstverständlich auch für ein gutes Ergebnis für DIE LINKE.

Alle Wünsche sind leider nicht in Erfüllung gegangen. Die Nazis haben es in Sachsen leider erneut geschafft, aber ihr Höhenflug ist erst mal gestoppt worden. Die Wahlbeteiligung war auch nicht berauschend, lediglich im Saarland einigermaßen `befriedigend´, würde ich mal sagen. Und ich Sachsen hat DIE LINKE. leider nicht zulegen und damit keine zusätzlichen Wählerinnen und Wähler mobilisieren können. Das ist insbesondere angesichts des vor allem schwarzen Filzes in diesem Bundesland doppelt bitter. Und dass künftig in Sachsen ein schwarz-gelbes, neoliberales Regierungsbündnis möglich ist, ist aus meiner Sicht auch keine gute Nachricht.

Dafür hat DIE LINKE. in Thüringen und vor allem im Saarland, aber auch bei den Kommunalwahlen in NRW erheblich zulegen können. In beiden erstgenannten, nun ehemals schwarzen Bundesländern sind Regierungs- und Politikwechsel möglich, weil rechnerische Mehrheiten jenseits von Schwarz-Gelb vorhanden sind. Es wird an SPD und Grünen liegen, inwieweit diese neuen Mehrheiten für eine sozial gerechtere Politik, für längeres gemeinsames Lernen aller Kinder in diesen Ländern und für mehr direkte Demokratie genutzt werden können.

Im Übrigen: Keine Nazis in den Landtagen von Erfurt und Saarbrücken sind die besten Nachrichten des Tages.

 

27. August 2009

Alle sind gleich, manche sind gleicher

Einmal aus der `Glotze´ schauen soll wirksamer sein als 100 Flyer, meinen Medienleute zur Wirksamkeit von Fernsehen und bewegten Bildern im Wahlkampf. Und richtig: Wer mich allein heute wegen des einen Satzes zur künftigen Bildungspolitik der LINKEN in Brandenburg angesprochen hat, mit dem ich gestern Abend in „Brandenburg aktuell“ sein durfte. Hätte ich nicht für möglich gehalten.

Der Beitrag machte allerdings leider einen Trend deutlich, den ich im Wahlkampf immer wieder beobachte(n muss): Von einer Gleichbehandlung aller Parteien kann keine Rede sein. Nun waren zwar im gestrigen Beitrag über die Wahlaussagen der Brandenburgischen Parteien alle im Bundestag vertretenen Parteien dabei. Aber die Koalitionsvertreter, die für die im Moment katastrophale Situation vor allem in Sachen Unterrichtsausfall, aber auch Unterfinanzierung und schlechte PISA-Ergebnisse verantwortlich sind, durften nicht nur ihre Ziele nennen, sondern auch noch lang und breit begründen. Für die zweistärkste Landtagspartei und mit Abstand größte Oppositionspartei blieb lediglich die Möglichkeit für einen Satz.

Ähnlich ergeht es der LINKEN in öffentlichen Diskussionsrunden, Podiumsdiskussionen oder –Debatten. Erst kürzlich hatte ich zum wiederholten Male einen Disput mit einem Organisator einer derartigen Runde zur künftigen Wirtschaftspolitik, der meine `Arbeitgeberin´ (die Bundestagsabgeordnete Dr. Kirsten Tackmann) zwar als Publikum eingeladen hatte, aber nicht für das Podium haben wollte, obwohl von allen anderen Fraktionen jeweils eine Vertreterin bzw. ein Vertreter im Podium vertreten waren. Seine Begründung: DIE LINKE würde nach Aussage aller anderen Parteien für eine Regierungsbeteiligung ohnehin nicht in Frage kommen, demzufolge interessiere niemand, was sie für Konzepte oder Vorschläge hätte. Offensichtlich soll es niemanden interessieren, denn wenn die politischen Forderungen oder Vorschläge der LINKEN tatsächlich – wie beispielsweise die Einführung einer solidarischen BürgerInnenversicherung, einer Millionärssteuer oder der Begrenzung von Managergehältern – eine Chance bekämen, müssten einige in diesem Land um liebgewonnene Pfründe und Privilegien bangen.

Was sagt uns das? Formal sind in unserer Demokratie alle gleich. Real werden einige aber `gleicher´ behandelt. Es bleibt also noch viel zu tun. Deshalb am 27.9. unbedingt wählen gehen und LINKS wählen und damit denjenigen, die DIE LINKE aus der Öffentlichkeit heraushalten wollen, eine Rote Karte verpassen.

 

22. August 2009

Wenn, ja wenn ...

mit der Bildungspolitischen Sprecherin der LINKEN Landtagsfraktion, Gerrit Große, nach dem Verteilen der Zuckertüten

Wenn Deutschland für die Bildung seiner Kinder so viel Geld ausgeben würde, wie für die Rettung von Banken (und den Profiten ihrer Aktionäre) oder für Abwrackprämien, dann wäre es sicher ganz weit vorn, sozusagen: Bildungs-Weltmeister. So aber reicht es nicht einmal zu europäischem Mittelmaß.

DIE LINKE. hat sich in den letzten Jahren mit zahlreichen Initiativen, Anträgen und Aktionen sehr dafür eingesetzt, dass wenigstens im Bildungsbereich Chancengleichheit für alle Kinder hergestellt wird. Was u.a. auch bedeutet, dass bestehende Benachteiligungen ausgeglichen werden müssen. Benachteiligt sind z.B. Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen. Allein im Landkreis Oberhavel gibt es 4.917 Kinder, die in Armut leben. In Brandenburg sind es akutell 70.515 – das bedeutet: jedes 4. Kind. Für diese sieht es aufgrund ihrer finanziellen Probleme nicht nur in Fragen gesunder Ernährung oder Teilhabe an Freizeitangeboten schlechter aus, als für Kinder, die aus besser gestellten Familien kommen, sondern auch in Punkto Ausstattung mit Schulmaterialien und Lernmitteln. Deshalb hat die LINKE zum Schuljahresanfang 2008 mit einer großen Schultüten-Füll-Spendenaktion zahlreichen Schulanfängerinnen und Schulanfängern wenigstens mit einer Grundausstattung aus Schultasche, Federtasche und Schreibmaterialien den Start erleichtern können. In meinem Heimatkreis Havelland haben wir im vergangenen Jahr erreichen können, dass im Kreishaushalt Geld für ein sogenanntes Schulstarterpaket bereit gestellt wurde. Kurz darauf machte unser positives Beispiel Schule und der Landtag beschloss – ebenfalls nach Initiative der LINKEN – die Einführung eines Schulsozialfonds. Und auch der Bundestag besserte Hartz IV nach, auch hier hatte DIE LINKE. immer wieder Druck gemacht. Dies sind gute Beispiele dafür, dass DIE LINKE. auch in der Opposition wirkt und es lohnt, LINKS zu wählen. Hier: Zum Wohle der Kinder.

Auch in diesem Jahr haben wir die gute Tradition der gefüllten Schultüten fortgesetzt. Auf dem Lehnitzsee-Familienfest gab es für jedes Kind eine echte `Zuckertüte´. Und wir haben darüber hinaus gemeinsam Luftballons mit Friedenstauben aufsteigen lassen, als Friedens-Gruß für andere Kinder. Schließlich haben zahlreiche Kinder an der Aktion Painting Hands des Vereins Gegen Kinderarmut e.V. teilgenommen und ihre farbenbunten Hände auf eine Leinwand `gedruckt´. Bis Mitte September sollen derartige Leinwände und Transparente gesammelt werden, um mit einem Band daraus das Reichstagsgebäude, den Sitz des Deutschen Bundestages, zu umspannen.

DIE LINKE. wird sich weiter dafür einsetzen, dass uns unsere Kinder mehr wert sind, als alte Autos oder Banken-Paläste. Deshalb lohnt es sich, am 27.9. zur Wahl zu gehen und DIE LINKE. und ihre Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen.

 

16. August 2009

Radtour für gute Beziehungen

beim Tourstart mit Bürgermeister Detlef Fleischmann (re.) und Jörg Schönberg (li.); Foto: Privat

Gute Beziehungen und funktionierende Zusammenarbeit zu unseren Berliner Nachbarn ist der LINKEN immer wichtig gewesen, mehr als Neugliederungsstaatsverträge oder Länderfusion. Voraussetzung für derartige Beziehungen und eine solche Zusammenarbeit ist das Miteinander-umgehenkönnen von Menschen. Die "Tour de Sympathie" - eine 40-km-Radtour von Nauen nach Spandau - leistet dafür einen wichtigen Beitrag. Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem LINKEN Landtagskandidaten-Kollegen Jörg Schönberg am Sonntag, dem 16.8., an der 7. Auflage dieser Radtour teilgenommen. Nauens Bürgermeister Deltlef Fleischmann gab 10 Uhr vor dem Nauener Bahnhof den Startschuss und dann gings los - über Perwenitz, Pausin, Schönwalde nach Berlin-Spandau. Gegen 12:30 Uhr trudelte das `Hauptfeld´auf dem Spandauer Marktplatz ein, da waren allerdings die Spitzenreiter und `Ausreißergruppen´ bereits lange im Ziel. Zum Glück hat unsere Region, aber auch der Berliner Stadtrand, jede Menge schattigen Wald zu bieten. Sonst wären die 30 Grad zum echten Konditions-Scharfrichter geworden.

 

 

8. August 2009

`Flotter 3er´ ist nicht alles

Foto: Privat

Einmal Hamburg und zurück – meine Teilnahme am CSD

Also erst mal ein großes Lob den OrganisatorInnen: Da haben sie echt ein Riesending gestemmt. Eine Woche lang Aktionen hintereinanderweg und der krönende Abschluss: Eine Pride-Parade, fast wie in Berlin, mit dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust als Schirmherrn und großem Straßenfest rund um den Jungfernstieg. Alle Achtung. Und das alles ehrenamtlich.

Die Podiumsdiskussion war ziemlich hochkarätig besetzt: immerhin hatte die Bundesjustizministerin den Weg nach Hamburg gefunden, um ihre neuesten Entschlüsse in Sachen Reform des Grundgesetzes und des Adoptionsrechts so kurz vor den Wahlen mal eben persönlich zu verkünden. Im Übrigen hatte sie den Flieger genommen und nicht den Dienstwagen. Das sichert das Verbleiben im Team Steinmeier. Ansonsten die Lokalmatadoren von CDU bis Grün (Jürgen Klimke – Union, Johannes Kahrs – SPD, Michael Kausch – FDP, Farid Müller – Grüne) und ich für DIE LINKE. Die Reformierung des Artikels 3 des Grundgesetzes um ein Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Identität sowie die volle Rechtsangleichung der eingetragenen Lebenspartnerschaft dominierte die Diskussion – kein Wunder, das hatten die Veranstalter so gewollt, das war das Thema und darauf war der Moderator eingerichtet. Aber es wurde schnell deutlich: Die Anwesenden waren dem alle nicht abgeneigt, nur mit der Union wird dies alles in der kommenden Wahlperiode auf keinen Fall was. Wer also homopolitische Bewegung in den nächsten vier Jahren will, darf auf keinen Fall eine der Parteien wählen, mit denen die Union koalieren könnte. Weder hatte da Johannes Kahrs irgendwelche Illusionen noch konnte Michael Kausch sich tatsächlich vorstellen, dass da was von genannter Dimension bewegbar wäre. Beide konnten deshalb auch nicht so richtig erklären, warum sie ausgerechnet mit der Union koalieren wollen.

Aber unterhalb des `Großen Wurfs´ bleibt trotz allem noch eine Menge zu tun, was nicht unbedingt eine Mehrheit mit der CDU/CSU erfordert (zur Erläuterung: eine Grundgesetzänderung ist nur mit einer Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat möglich – allein unter derzeitigen Bundesratsmehrheitsverhältnisse eine unüberwindbare Hürde). Da ist zum einen der Kampf gegen Homophobie. Hier ist der Bildungsbereich der wichtigste und da sind dann auch die Länder gefragt. Berlin hat dafür mit seiner Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ unter Rot-Rot beispielhaftes geleistet. Das gilt es auszubauen und auf andere Bundesländer zu übertragen. Dafür wird sich DIE LINKE und werde ich mich einsetzen. Darüber hinaus sind die Opfer von Verurteilungen nach § 175 in beiden deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch nicht rehabilitiert und entschädigt. DIE LINKE hat dazu bereits in der laufenden Wahlperiode einen Antrag eingebracht, die Grünen kurz danach einen ähnlichen – beide wurden abgelehnt. Es wird interessant sein, wie sich vor allem Johannes Kahrs und Michael Kausch – sollten sie wiedergewählt werden – zu einem solchen neuen Vorhaben von mir verhalten werden. Drittens gehört das Transsexuellengesetz aufgehoben und sind die freie Entwicklung einer/s Jeden in Sachen Geschlechtswahl, Personenstandswahl und Vornamen zu sichern. Schließlich sind Menschen mit HIV und AIDS zu von gesellschaftlicher Stigmatisierung zu befreien und eine zielgruppenspezifischere Präventionsarbeit zu unterstützen. Auch hier hat die LINKE bereits in der laufenden Wahlperiode Anträge eingebracht und wird sie in der nächsten Wahlperiode aktiv bleiben.

Der Tag in Hamburg hat mir viel Erkenntnis und neue, sympathische Bekanntschaften gebracht, die ich in meiner politischen Arbeit nutzen werde bzw. die sich meiner politischen Unterstützung sicher sein können. Was auf jeden Fall nächstes Jahr unbedingt her muss: Wenigstens ein eigener Info-Stand der LINKEN auf dem Stadtfest, wenn nicht sogar ein eigener Wagen auf der Parade. Da kam ich mir ziemlich alleine vor … Aber man muss ja auch noch Reserven haben.

 

6. August 2009

Kommst du morgen wieder?

Foto: U. Kiefert, MAZ

Als ob ich schon immer dazu gehören würde: Kaum, dass ich mich der Leiterin und den Erzieherinnen der Kita „Schwalbennest“ in Falkensee vorgestellt und von diesen ein paar Regeln für den Tagesablauf erfahren hatte, war ich auch schon mitten drin im Kaufmannsladen-Spiel der Igel-Gruppe. Eine Geburtstagparty war zu organisieren und dafür wurden tausend kleine Dinge gebraucht, von A wie Apfelsine, B wie Brause, K wie Kekse und Kuchen bis Z wie Zitronen-Spülmittel für den Abwasch. Keine Frage: Ich war für den Einkauf zuständig. Dann wurde gemeinsam der Tisch gedeckt und ich durfte wie selbstverständlich den Salat zubereiten, Brause austeilen und schließlich den Abwasch wegräumen. Nach und nach, fast unbemerkt, waren immer mehr Kinder zu unserem Geburtstagsparty-Spiel dazugekommen. Die erste Stunde meines Arbeitseinsatzes war so wie im Fluge vergangen und die tatsächliche Frühstückszeit heran gekommen. Jetzt waren die richtigen Tische zu decken. Die Tassendienste sorgten routiniert und eifrig dafür, dass alle etwas zu trinken bekamen. Die Inhalte der Frühstücksboxen wurden miteinander verglichen und Joghurtbecherchen und Quarkportiönchen wanderten für das Nachmittags-Vesper erst einmal in den Lila-Korb für den Kühlschrank. Dann wurden die kleinen Frühstücksbrote ausgepackt und los gings. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, was eine Erzieherin mit einer Gruppe von 18 Kindern zu leisten hat, diesen „Sack Flöhe“ zu managen. Und so ging es über den Tag immer weiter – ob bei der thematischen Beschäftigung, der offenen gruppenübergreifenden Projektarbeit, dem Spielen im Freien oder der Mittagsruhe. Und zwischendurch immer wieder Loben, Trösten, Mut machen, Geschichten erzählen, vorlesen, aufgeschrammte Knie verarzten, Nasen putzen, kleinere Wehwehchen wegpusten, in den Arm nehmen, Schuhe zubinden, beim Anziehen helfen, sich hin und wieder auch mal Gehör verschaffen müssen, Streit schlichten … Als Lehrer war ich ja einiges gewöhnt. Aber diese Realität übertraf viele meiner Erwartungen und bestätigte meine Vorahnung: Die Menschen im Erzieherberuf verdienen unbedingt mehr gesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung. Die Verantwortung, die sie wahrnehmen, ist immens und die Hingabe, mit der sie sich dieser Verantwortung stellen, verdient allergrößten Respekt. Nicht nur, aber auch durch eine bessere Bezahlung. Vor allem aber durch die Schaffung von Rahmenbedingungen, die ihrer Arbeit würdig sind – personeller, räumlicher und Ausstattungs-materieller Art. Durch mehr Personal zur Unterstützung, zur Verkleinerung der Gruppen und zur Schaffung von Möglichkeiten, Aus- und Fortbildungsangebote tatsächlich nutzen zu können. Durch eine reformierte Ausbildung. Durch die Schaffung von besseren Möglichkeiten zur individuelleren Förderung aller Kinder und zur Integration von Kindern mit Behinderungen, Beeinträchtigungen oder Entwicklungsrückständen. Durch die Ermöglichung einer besseren Einbeziehung der Eltern in den Bildungs- und Erziehungsprozess in der Kita und zum Mitlernen der Eltern. Dadurch eben, dass die geforderte und erwartete Qualität tatsächlich angeboten und abgeliefert werden kann, ohne dass sich die einzelne Erzieherin oder der einzelne Erzieher kaputt machen müssen und nach spätestens zehn Dienstjahren leer und ausgebrannt sind. Dadurch eben, dass sie und die übrige Gesellschaft an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen: Für unsere Kinder.

Spätestens am Hangelgerüst waren wir dann endgültig ein unzertrennliches Team, die Igel- und Sonnen- und Schwalben-Gruppen-Kinder und ich. "Kommst du morgen wieder? Nein? Ach ja, es sind ja Ferien." (Die Kita geht jetzt erst einmal in die dreiwöchige Sommerferien-Schließzeit.) Welch ein Glück. Dadurch war der Abschied nicht ganz so schwer. Im September werde ich wiederkommen und unsere Fraktionsvorsitzende mitbringen. Das muss man/frau einfach erlebt haben.

 

 

26. Juli 2009

Direkte Demokratie in Aktion

Landtagskandidat Jörg Schönberg und ich bei der Demo am 26.7.09 in Berge; Foto: privat

Wer es nicht selbst erlebt hat, wird es nicht glauben wollen: Binnen einer Viertelstunde hatte die kleine Demo von vielleicht 25 Leuten, die dem Aufruf der Bürgerinitiative für eine Ortsumgehungsstraße Lietzow-Berge gefolgt waren, einen Massenstau von fast 5 km verursacht. So hoch ist das Verkehrsaufkommen an einem normalen Sonntagnachmittag in den kleinen Dörfern Berge und Lietzow nahe Nauen an der B 5. Eine schier nicht enden wollende Karawane von Blech, Lärm, Abgasen und Gestank. Vor allem für die direkten Anwohner der stark befahrenen Bundesstraße ist dies nicht mehr hinnehmbar. Sie, die im Vetrauen auf die Pläne des Bundesverkehrsministeriums, ab 2003 eine Ortsumgehung bauen zu wollen, ins Dorf Berge gezogen waren und begonnen haben, Schritt für Schritt den nicht mehr bewohnten, dadurch fast verfallenen und inzwischen zu kleinen Schmuckstücken wiederhergerichteten Häuschen und Höfen neues Leben einzuhauchen. Die Mehrzahl von ihnen hat ihre Kinder mitgebracht, für die das Über-die-Straße-gehen täglich zu einem lebensgefährlichen Abenteuer wird. Aber auch ansonsten ist das Leben in Berge gegenwärtig alles andere als idyllisch. Morgens den Bus in der Dorfmitte bekommen zu wollen, bedeutet mehr Zeit für die Straßenüberquerung einzuplanen. Das eigene Auto am Straßenrand abparken kann mit einem Auffahrunfall enden. Seitenstraßen oder den eigenen Hof in der Hauptverkehrszeit, vielleicht sogar noch links abbiegend, verlassen zu wollen, ist so gut wie aussichtslos. Der Lärm der Motoren übersteigt inzwischen jedes gesetzlich zulässige Maß. Von Feinstaub- und Abgasbelastung ganz zu schweigen. Besonders ärgerlich sind die zahlreichen LKW´s, die über die B 5 ihren Weg abkürzen oder die Autobahnmaut sparen.

Die Menschen, vor allem in Berge, nehmen dies nicht mehr widerstandslos hin. Seit April haben sich viele der EinwohnerInnen zu einer Bürgerinitiative zusammen geschlossen und fordern von der Politik endlich aktives Handeln. Verkehrsberuhigung als erstes, Sanierung der stark abgefahrenen Ortsdurchfahrt und natürlich endlich die Ortsumgehung. Dafür ziehen sie seitdem jeden Sonntag durch ihr Dorf und blockieren damit die Bundesstraße - mit den oben genannten Wirkungen. Dafür sind sie inzwischen `von Pontius zu Pilatus´ gezogen, haben Briefe und Petitionen geschrieben, haben angefangen, selbst den Verkehr zu zählen. Und haben sich sogar mit Landesverkehrsminister Dellmann und Landrat Dr. Schröder angelegt. Direkte Demokratie in Aktion. Inzwischen finden sie Unterstützung durch einen Teil der Kommunalpolitik, u.a. von Anfang an von der LINKEN. Von den `hohen Herren´ hat ihnen bisher keiner wirklich geholfen, wenn auch der Landrat wenigstens begriffen zu haben scheint, worum es den Menschen geht. Aber sie sind sich sicher: Wir geben nicht auf und steter Tropfen höhlt den Stein. Die Leute in der Kyritz-Ruppiner Heide haben es ja schließlich auch geschafft. Auch wenn man in Berge nicht erst 17 Jahre warten will.

 

15. Juli 2009

Junge Leute ticken anders - Werkstatt mit Jugend-Wahlaktiv

meine engagierten jungen Mitstreiter - übrigens wären Mädchen sehr willkommen!

Mindestlohn, Rentengerechtigkeit, Ost-West-Angleichung - eine ganze Reihe Themen der aktuellen politischen Auseinandersetzung interessieren junge Leute nicht. Warum auch. Es sind die Themen und Fragen ihrer Eltern und Großeltern.

Schule ist da schon eher ein Aufreißer. Immerhin hat der bundesweiter Bildungsstreik auch in Brandenburg tausende SchülerInnen und Studierende auf die Straße gebracht. Die haben dann mit phantasievollen und gewaltfreien Aktionen gezeigt, wo `der Hammer hängt´: da wurde beispeilsweise kurzzeitig eine Straße besetzt und so ein `Bildungsstau´ simuliert. "Ja, genau so, wie Sie jetzt hier nicht mehr weiterkommen, geht es uns jeden Tag in unserer Schule." Oder die Aktion `Bildungsleichen´: auf ein gemeinsames Stichwort fielen über 500 Studierende und SchülerInnen vor dem Wissenschaftsministerium einfach um und lagen auf der Straße. Bildungsleichen eben.

Aber am meisten ziehen: Internetsperre, Klimawandel, Folgen der unvorstellbaren Staatsverschuldung und aktive Auseinandersetzung mit neuen Nazis. Ob es den Erwachsenen passt oder nicht: Junge Leute ticken eben anders. Und wenn es schon Politik sein muss, dann darf auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen.

Gut, dass wir die heutige Wahl-Werkstatt mit linken Jugendlichen aus dem Wahlkreis gemacht haben. Damit wir bis zum 27.9. insbesondere nicht an jungen Leuten vorbei wahlkämpfen. Sie wollen sich einbringen und haben ihre eigenen Ideen, sie wollen selbst auf ihre Altersgefährtinnen und -gefährten zugehen und sie überzeugen: wirkliche Veränderung kommt nur mit LINKS, bei allen anderen Parteien ist immer auch ein Stückchen Angela Merkel dabei. Und so, wie die Große Koaltion einen Dämpfer bekommen muss, muss auch Schwarz-Gelb als Ersatz verhindert werden. Durch eine gestärkte LINKE.

4. Juli 2009

Mit Musik geht vieles leichter - LINKE beim Gemeindefest Brieselang

selbst die dunklen Wolken hielten sich angesichts der Musik mit Regen zurück; Foto: privat

Scheinbar hatten selbst meine eigenen Genossinnen und Genossen nicht wirklich daran geglaubt, dass ich zum Infostand auf dem Gemeindefest tatsächlich meine Geige mitbringen würde. "Wo isse denn?", lautete die spöttische Frage, als ich leicht verschwitzt und schwer beladen mit Klar-Zeitungen sowie Flyern und Info-Blättern am Stand aufkreuzte. Zugegeben: Ich wollte schon erst mal die Lage peilen und schauen, ob mein Angebot, unseren Stand auch ein wenig musikalisch zu präsentieren, tatsächlich ernst genommen oder mir eher als Wichtigtuerei ausgelegt worden sei. Aber nach dieser Frage gab es einfach kein zurück mehr. Also holte ich die Geige noch ran und los ging´s. Und siehe: Wir waren der `Hingucker´. Und zumindest unsere Flyer zur LINKEN Familienpolitik gingen bei den jungen Ehepaaren mit Kindern weg wie warme Semmeln, und auch für die Kleinen hatten wir mit Kinderschminken, Bonbons und Gummi-Herzen einige Überraschungen parat. Sogar die politischen Konkurrenten schauten erst neugierig und dann erstaunt: "Ach Sie sind das. Wusste gar nicht ..." Na, so ist das eben. Es gibt auch noch ein Leben neben der Politik. Übrigens an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Familie S. für den Schminkstand.

Für unseren Infostand war klar: Das sollten wir wieder machen. Mit Musik geht eben doch vieles leichter.